Schriftgröße:
normale Schrift einschaltengroße Schrift einschaltensehr große Schrift einschalten
Startseite      Login      Impressum
 
 

Vom armen Weberdorf zum attraktiven Wohnstandort

 

Ein geschichtlicher Abriss


Um in den Ort zu gelangen muss man die Unstrut überqueren, die im Leben des Dörfchens eine bedeutende Rolle gespielt hat und auch heute noch spielt.
 
Zwei Kirchen und ein geschichtsträchtiges Gebäude – das einstige Schloss– markieren den Ort, der trotz aller Wirren der Zeit seit 1000 Jahren besteht, der viele Gesellschaftssysteme  erlebte und wo die Entwicklung schließlich im heutigen Unstrut-Hainich-Kreis mündete.


Es war Kaiser Otto III, der mit der Schenkung seiner Güter – unter anderem in Aldengudeno – an das St. Viktorstift bei Mainz die Geburtsstunde des kleinen Ortes bestimmte. „…und damit die Gültigkeit meiner Schenkung möglichst sicher und dauerhaft bleibt, haben wir angeordnet, dass diese Niederschrift unseres Befehls angefertigt wird…“, hatte Otto III in weiser Voraussicht seine Schenkung gesichert. „Ausgestellt 16 Tage vor den Kalenden des August im Jahre 997.“

Die vermutliche Besiedlung der heutigen Ortslage begann schon im Zeitraum 100 v.u.Z. und 300 n.u.Z. durch die Hermunduren. Altengottern verdankt sein Entstehen  einer Burg. Diese war dicht am Ufer der Unstrut inmitten eines Sumpfgebietes gelegen und in grauer Zeit errichtet worden, um sich gegen eindringende feinde zu schützen. Vermutlich bestand der Ort aus zwei Ortsteilen, die erst im Laufe der Jahrhunderte zusammenwuchsen.  Zu lesen ist dies alles und noch einiges mehr zur Ortsgeschichte in der anlässlich des 1000jährigen Ortsjubiläums erschienenen Festschrift. Herausgegeben vom Festkomitee liefert das 65 Seiten umfassende Heft einen Geschichtsabriss der Gemeinde, die Thomas Müntzer mit einer  großen Zahl Bauern stürmte, wo es Feuerbrünste und Hochwasser gab, wo Seuchen und andere Krankheiten ihre Opfer forderten und wo Söhne und Väter aus zwei furchtbaren Weltkriegen nicht wieder nach Hause zurückkehrten.

Spricht man von der Geschichte Altengotterns, kommt man nicht umhin die Adelsgeschlechter  zu erwähnen. Im Jahre 1174 wurde das erste Adelsgeschlecht, die Herren von Gottern, erstmals urkundlich erwähnt. Dieser Ritteradel hatte bis 1440 Besitz in Altengottern. Bis 1633, als Rudolph Levin Marschall das Erbe antrat, hielten die Herren von Hayn oder Hagen Altengotten als Lehen. Um 1790 wurde der Marschall`sche Besitz unter zwei Brüdern in die Rittergüter I und II geteilt. Das Gut I, welches Christian Rudolf  Erbmarschall von Thüringen erhielt, wird seit der Enteignung 1945 als Kinderheim genutzt. Das zum Gut II gehörenden Herrenhaus wurde umgebaut zur Schule und war bis 1995 Staatliche Grundschule.
Die Existenz von Schuleinrichtungen ist in Altengottern ab 1620 belegt und aus alten Aufzeichnungen  geht hervor, dass im Oberdorf je eine Mädchen- und Knabenschule existierte. Dagegen gab es im Unterdorf eine gemischte Schule. Im April 1909 wurde eine Vierklassen-Schule durch das Zusammenlegen der vorhandenen eingerichtet. Nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Schule am 1. Oktober  1945 ihren Betrieb wieder auf. 400 Schüler wurden  damals von sechs Lehrern unterrichtet. Die weitere Entwicklung im Bildungswesen wurde von der herrschenden Gesellschaftsordnung bestimmt, in der es 1974 bis 1980 eine achtklassige Schule in Altengottern gab. Mit deren Auflösung wurde die Schule als Teiloberschule weitergeführt und 1995 wegen zu geringer Schülerzahlen geschlossen.

„Altengottern, ein adlig Marschall`sches Gerichtsdorf, welches ehemals die Herren von Hayn oder Hagen besessen, liegt von Langensalza aus nordwärts, zwei Stunden in einer angenehmen, aber morastigen Gegend… Das Dorf selbst ist ganz nahe der Unstrut gebaut…“,  schrieb Magister Karl Gottlob Schulze, Pfarrer an der St. Trinitatis-Gemeinde 1781. Und die Unstrut war es, die dem Dorf viel Unheil brachte. Entlang des Flusses führte ein Damm, der aber oftmals so geringen Widerstand tat, dass Straßen, Häuser, Scheunen, Ställe überflutet und große Verwüstungen angerichtet wurden. Der Ort hatte viel unter den alljährlichen wiederkehrenden Hochwassern der Unstrut zu leiden. Die größte Überschwemmung erlebten seine Bewohner   im Jahr 1799. Das Wasser stand 1,5 Meter hoch in den Dorfstraßen.
            
Gegen die Hochwassergefahr, die Magister Schulze in seinen Aufzeichnungen 1781 schon festhielt, wurde erst 82 Jahre später etwas unternommen. So war die 1863 durchgeführte Regulierung der Unstrut  ein Segen für das Dorf, denn damit wurde der Flusslauf, der vor der Regulierung noch dicht an den Südrand liegenden Häusern entlang führte, weiter gen Süden vom Ort entfernt. 


Diese Flussregulierung wurde von der Preußischen Regierung angeordnet und stand unter der Leitung des damaligen Landrates des Kreises Langensalza Rudolph Levin Marschall, Erbmarschall von Thüringen, gebürtig in Altengottern. Elf beteiligte Gemeinden im Flussgebiet  schlossen sich zu einem Zweckverband zusammen. Für das arme von Wasserfluten heimgesuchte Weberdorf kam damit der wirtschaftliche Aufschwung. Nicht nur fruchtbare Böden und reiche Ernten konnten verzeichnet werden, die Kraft der Unstrut wurde zur Elektrizitätsgewinnung mittels eines E-Werkes, das 1898 gebaut wurde, genutzt. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand dort 1914 eine Mühle.

Der wirtschaftliche Aufschwung Altengotterns spiegelte sich darin wider, dass es 1930 bei rund 1500 Einwohnern drei Konservenfabriken, drei Gaststätten, fünf Kolonialwarenhandlungen, zwei Kartoffel- und Landprodukthandlungen sowie einige Handwerksbetriebe gab. Die Einwohner hatten es verstanden die natürlichen Gegebenheiten und Vorzüge – das fruchtbare Land, die drei Teiche und das Wasser der Unstrut – zu nutzen.


Die Landwirtschaft war in der Vergangenheit Haupteinnahmequelle, der Grund und Boden war Haupterwerbsquelle. Unterbrochen wurde der wirtschaftliche Aufschwung durch den zweiten Weltkrieg, von dessen Auswirkungen auch Altengottern nicht verschont geblieben sind. 


Mit der politischen Wende 1989 kam auch die Wende in der wirtschaftlichen Entwicklung des Dorfes. Die bis dahin bestehenden kleinen und mittleren Unternehmen mussten Arbeitsplätze abbauen oder gar geschlossen werden.


Heute ist Altengottern ein Wohnstandort mit geringer gewerblicher Ansiedlung. Den einzigen Rohstoff, den Ton am Roten Berg, nutzt das im Nachbarort Großengottern angesiedelte Ziegelwerk des belgischen Baustoffkonzerns Etex zur Herstellung von Tonziegeln.